Konzept/Idea

Selten in der europäischen Geschichte gab es größere, raschere und dichter aufeinander folgende Umbrüche als in den letzten 100 Jahren im Gebiet der ehemaligen Donaumonarchie. Im gemeinsamen Kulturraum wurden Konflikte ausgetragen, Grenzen errichtet und wieder aufgehoben, Differenzen und Gemeinsamkeiten konstruiert und immer wieder andere Identitäten entwickelt.

Diese Veränderungen haben sich in allen Genres der Vokalmusik dank ihrer Textgebundenheit besonders stark ausgewirkt. Opern, Oratorien, Chorkompositionen, Volkslieder, Schlager, Pop- und Rocknummern dienten und dienen auf vielfältige Weise der Etablierung von Identitäten. In ihnen wurden Zusammengehörigkeiten entworfen, die nationale, ethnische, regionale oder soziale Ausprägungen haben konnten.

Die interdisziplinäre Tagung möchte vielfältige Blickwinkel auf die identitätsbezogenen Implikationen vokaler Musikformen ermöglichen und aus der Alpen-Adria-Großregion heraus einen Beitrag der jüngeren Geschichte ebenso wie der aktuellen Lage leisten. Erwünscht sind Beiträge aus Germanistik, Geschichte, Literatur- und Sprachwissenschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Musikwissenschaft, Philosophie und Ästhetik, Romanistik, Slawistik, Soziologie sowie verwandten Disziplinen. Besonders angestrebt wird dabei die Verbindung mehrerer methodischer Ansätze und verschiedener Regionen.

 

European history rarely met such fast, dense and radical changes like those in the regions of the former Austro-Hungarian Empire in the last hundred years. This cultural area has experienced political conflicts, the setting and dissolution of borders, the construction of similarities, of differences, and of ever new identities.

Being tied to text, vocal music genres reflect such changes especially strongly. Operas and operettas, oratorios and cantatas, choir music for amateurs and professionals, folksongs, schlager, pop and rock hits: they all have helped and still do help to establish identities in many ways, connecting people on national, ethnical, local or social levels. 

This interdisciplinary conference aims to open multiple perspectives on the identity-relevant implications of every kind of vocal music from the last days of the Habsburg Empire to present. It encourages papers from scholars of all connected fields of research, such as musicology, sociology, history, literary studies, media and communication studies, philosophy and aesthetics, as well as slavonic, romanic and germanic studies.